Ein Hundeblog

Hitzetipps für Hunde

Gastbeitrag von Tierarzt, Autor und Tiergesundheitsjournalist, Bela Wolf

mit freundlicher Genehmigung von fisch & fleisch, Österreich

Ein eisgekühlter Kong lässt Hundeherzen im Sommer höher schlagen. Der Preis dafür ist allerdings hoch. Nicht nur für den Hundebesitzer, sondern vor allem für den Hund.
Da der Kong der König der Hundespielsachen ist und zusätzlich noch befüllbar, werde ich hier ein wenig über ihn berichten.Er ist in allen Supermarkt- und Tierbedarfshandelsketten omnipräsent.
Man kann ihn im Sommer mit Tiefgefrorenem füllen, im Winter mit extra dazu erhältlicher Tiernahrung.

Was genau spricht eigentlich dagegen?

Das wohl bekannteste „unkaputtbare“ Hundespielzeug wurde schon vor Jahren von konsument.at gemeinsam mit 17 anderen Hundespielsachen unter die Lupe genommen. Wenig verwunderlich, dass weder er, noch die anderen Spielsachen für Hunde harmlos waren.

Im Gegenteil.
Man fand Giftstoffe in allen folgenden auf Gift-und Schadstoffen untersuchten Hundespielsachen:

Karlie Moosgummi Ball, Karlie Hundeknochen, rogz Grinz-Ball, Fuss-Dog Schwarzes Schwein, Fuss-Dog schwarze Figur, Fuss-Dog lila Knochen, Karlie blaue Figur mit Vanille, Karlie Ente, Fuss-Dog Baumstamm, Vitakraft For You schwarzer Ball, Kong Kong Orginal, Trixie Karotte, Trixie Vinyl Igelball, Hunter Smart Funny Pig Tiffy, Karlie Nilpferd, Vitakraft For You Hantel, Karlie Vollgummi Ring with Vanilla, Vitakraft For You Fußball.„Kein einziges untersuchtes Hundespielzeug erwies sich als frei von Giftstoffen. In allen getesteten Produkten stießen wir etwa auf die brisanten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK).“, so konsument.at.

Aus tierärztlicher Sicht ist strikt vom Kong abzuraten.

Zum einen ist er, wie oben erwähnt, giftig, denn er enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), welche Krebs auslösen können und daher zu den CMR-Stoffen zählen, Substanzen, die nachweislich krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind.
(PAK‘s trifft man nicht nur im Hundespielzeug, sie sind auch als Weichmacher in Gummi-und Kunststoffprodukten enthalten, beispielsweise in Kinderspielzeug, Gummienten, Koffergriffen, Schwimmflügel, diversen Plastikflaschen oder Autoreifen.)
Nun haben Hunde die Eigenschaft, sich intensiv mit ihrem Spielzeug auseinanderzusetzen. Sie tun dies mit ihren Zähnen und ihrer Zunge.
Lefzen- und Mundhöhlentumore sind keine Seltenheit in der Tierarztpraxis. Hervorgerufen werden sie, richtig, oft durch Gummispielzeug.
Hunde bearbeiten den unzerstörbaren Kong stundenlang mit ihrem Maul. Und nehmen dabei, ebenfalls stundenlang, die darin enthaltenen Giftstoffe auf.
Gibt man Futter in den Kong, wird dieses ebenfalls kontaminiert. Die Toxinbelastung steigt.
Zum anderen kann das Plastikteil schlimmstenfalls im Rachen stecken bleiben, die Atemwege verschliessen und der Hund erstickt daran.
Auch eine OP hilft da nicht immer, um das Leben des Tieres zu retten.
Hunde können auch an zu kleinen Gummi-oder Tennisbällen ersticken, sie müssen gar nicht Kong heißen.
Erklärt man dies jedoch den Hundebesitzern, hört man immer wieder die gleiche lapidare Antwort: „Aber es ist doch noch nie was passiert.“

Solche Antworten wird es auch bei diesem Artikel geben, da bin ich mir ganz sicher. Irgendwo wird gerade ein Zweibeiner meine Sätze lesen, den Kopf schütteln und murmeln „So ein Blödsinn. Meinem Hund passiert sowas garantiert nicht!“
Garantiert ist aber nur der Tod, sonst gilt eher, nix ist fix. Was traurig stimmt, da ein Unfall, ein Karzinom oder gar das Ableben eines Hundes vermeidbar wären, würden Menschen nicht dermaßen unbelehrbar und stur abblocken.

Gibt man Gefrorenes in den Kong, wie es im Sommer unter Hundehaltern sehr beliebt ist, steigt zusätzlich zur Krebs- und Erstickungsgefahr die Gefahr einer Mandelentzündung.
Keine Ahnung, wer dieses Genie war, der Eis für Hunde auf den Markt brachte. Auf jeden Fall war es kein Hundefreund.
Wenn Hunde Tiefgefrorenes abschlecken und abschlucken, bekommen sie davon Mandelentzündung. Diese setzt sich gerne als Magenschleimhautentzündung, auch Gastritis genannt, fort, und zwar um so heftiger und schneller, je größer die Menge des Gefrorenen ist, die eiskalt im Magen landet.
Schlimmstenfalls wandert die Entzündung in den Darm weiter oder wird chronisch.
Die Folgen sind Fressunlust, häufiges Erbrechen, Durchfall und gestörtes Wohlbefinden. Die Hunde sind matt, unlustig, haben oft Fieber, Halsschmerzen und geschwollene Drüsen.
Im Falle einer eitrigen Mandelentzündung stehen Husten, Würgen, Schleimen, Röcheln, Erstickungsanfälle, starkes Speicheln und Futterverweigerung an der Tagesordnung. Heilung erfolgt nur durch Antibiotikagabe.

Auch Hunde bekommen Halsweh durch kaltes und gefrorenes Essen, nicht nur Menschen.
Hunde verkühlen sich im Sommer, wenn sie direkt unter der Klimaanlage liegen müssen, im Auto eisgekühlte Luft direkt auf sie bläst, sie während der Fahrt den Kopf aus dem offenen Autofenster halten oder wenn sie schwimmen waren und dann dem eisigen Luftstrom der Klimaanlage, dem Zimmerventilator oder der Zugluft durch ständig gekippte Fenster ausgesetzt sind.
Sie werden krank, wenn sie Eis fressen, sie bekommen Halsschmerzen, wenn man Eiswürfel in ihr Trinkwasser gibt. Leider können sie es dann nicht sagen, wenn es ihnen plötzlich schlecht geht und sie müssen leiden, bis man sie irgendwann endlich doch zum Tierarzt bringt.
(Oder sie schlimmstenfalls mit giftigen ätherischen Ölen traktiert, um eine Verkühlung dank den irrwitzigen Tipps irgendeiner Heilerin aus dem Netz oder einer Hundegruppe „auszukurieren“…)

Hunde sind empfindlich, es handelt sich um Lebewesen, nicht um Roboter.

Momentan sind Kühlmatten für Hunde angesagt.
Man findet sie in jedem Discounter.
Genau wie im Kong, sind auch in diesen giftige PAK’s zu finden, im Inneren befindet sich zusätzlich noch toxischer Kühlstoff.
PAK’s werden über Haut und Pfotenballen aufgenommen, der Hund muss dazu nicht mal an der Matte lecken. Zerbeißt der Hund die Matte, stirbt er.
Hat er Gelenksprobleme, werden diese schlimmer, je länger er auf der kühlenden Matte liegt.

An dieser Stelle darf ich mit dem vielzitierten Wolf kommen, der doch unentwegt und allgegenwärtig angeführt wird, außer, wenn es einem selbst grad nicht so ins Programm passt. Dann verschwindet der gute Wolf flugs in der Versenkung. Aus der ich ihn jetzt hole.

Haben Sie jemals davon gehört, dass Wölfe sich ab und an ein Eis gönnen? Sich auf Kühlmatten ausruhen, unter Klimageräten räkeln, oder mit unzerstörbaren Plastikkugeln herumalbern?

Nein?

Eben.

Wölfe graben Erdgruben zum Ausrasten und ringeln sich darin, auch werden sie nicht, wie die meisten armen Stadthunde, dazu gezwungen, in klimatisierten oder überhitzten Autos in der Mittagsglut durch Betonghettos zu brausen oder über glühende Asphaltwüsten zu latschen.
Sie halten Siesta im kühlenden Erdreich, irgendwo im Wald.
Sie rasten aus, sie brauchen kein Eis, kein giftiges Spielzeug, keine Kältematten.

Verschaffen Sie Ihrem Hund bei hohen Temperaturen Pause.
Scheren Sie sein Fell nicht, denn es schützt vor Sonnenbrand und Hitze.
Machen Sie lange Spaziergänge nur am frühen Morgen und am späten Abend und nicht zur heissesten Tageszeit zwischen 15 und 18 Uhr und auch nicht zu Mittag.

Vergessen Sie nicht, dass Autos bereits ab 18 Grad Außentemperatur zur Todesfalle werden, wenn Ihr Hund darin warten muss. Ein offenes Fenster nützt nichts.

Bedenken Sie, dass Hundepfoten empfindlicher sind als menschliche Füsse, Drüsen enthalten, zum Schwitzen benötigt werden und auf heißem Asphalt schwere Verbrennungen davontragen können.
Da Sie selbst Schuhe anhaben, werden Sie von der Hitze gar nichts bemerken.
(Test: Handrücken auf Asphalt drücken: tut weh=Verbrennungsgefahr für Pfotenballen!)

Immer eine volle Wasserflasche für den Hund mitzuführen, ist im Sommer Pflicht. Manche Vierbeiner bevorzugen auch ein kühles Bad oder eine kleine Erfrischung direkt aus dem Gartenschlauch.

Die Kür hingegen ist, dem Hund eine eigene Ecke im Garten zu gönnen, die nur ihm gehört.
Dort kann er ein Erdloch buddeln, sich unter einen gepflanzten ungiftigen Strauch legen, sich vor der Hitze schützen und den heißen Tag entspannt verschlafen.

Dann, geschätzte Leserin, werter Leser, brauchen Sie weder giftige Kongs noch anderen teuren, faulen Zauber. Und einem zauberhaften Sommer steht nichts mehr im Weg.

Herzlichst Bela Wolf,

Tierarzt, Autor und Tiergesundheitsjournalist

https://tierarztwolfblog.wordpress.com

3 Kommentare

  • Danke für diesen informativen Artikel.
    Habe für Amy immer eine Wasserflasche dabei und unser Garten ist ihr Reich in dem sie buddeln kann wie sie will, was sie im Sommer auch ausgiebig tut 😀 Kongs oder ähnliches gibt es bei uns nicht, allerdings bekommt Amy seit ihrer Junghundzeit im Sommer immer selbstgemachtes Eis und hat noch nie Probleme damit gehabt.
    Kommt gut durch den Sommer
    Liebe Grüße
    Andrea & Amy

  • Wanda

    Ein interessanter Beitrag
    Liebe Grüße
    Wanda mit Grizzly

  • Danke für diese Einblicke.

    Mich wundert es seit langem, wie es möglich ist, dass sich derartige ‚Trends‘ wie Hundeeis in solch einer rasenden Geschwindigkeit verbreiten und jeder den Schwachsinn mitmacht.

    Das Gleiche, mit all dem unnötigen Hundespielzeug und noch schlimmer: Hundezubehör.

    Ich gehe seit Jahren nicht mehr in Zoohandlungen. Weder vor Ort, noch Online. Denn dort gibt es nichts, was für meine Hunde wichtig oder nützlich wäre.

    Wir Barfen, putzen Hundezähne mit echten Knochen, baden nie und Halsband und Leinen sind mindestens 6-8 Jahre alt … Biothane das hält ein Leben lang…

    Meine Hunde sind damit zufrieden und ich auch. Krimskrams bekommen sie nicht von mir, aber dafür umso mehr davon, was sie als Hunde wirklich brauchen.

    Liebe Grüße
    Antje Hebel

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