Ein Hundeblog

Schadennummer 22-333539

oder: Als Hund ist man schuldig!

Am 26.08. um 16:30 Uhr erhielt ich unserem Urlaub eine WhatsApp Nachricht.
Meine beiden Hunde waren zu diesem Zeitpunkt in einer (nicht unbedingt preiswerten) Hundepension untergebracht.
Wer mich kennt weiß, dass ich meine beiden Felligen mehr als ungerne in einer Hundepension parke.
Die Hundepension wird von einer Tiermedizinischen Fachangestellten geleitet.
Die Pension befindet sich am Rande eines kleine Dorfes. Ein großer Garten ist hundeausbruchsicher eingezäunt und die Hunde dürfen in einer „offenen Rudelhaltung“ ihre Tage verbringen.
Motsi und Fiete waren bereits zwei Mal zu Gast. Allerdings immer während einer Zeit, in dem keine Sommerferien und auch nicht über 10 Hunde im Rudel bereits anwesend waren.

„Hallo ihr beiden, Es gab gerade eine Auseinandersetzung zwischen Fiete und einem Labrador. Ich beobachte es und zeige Fiete dem Tierarzt, wenn nötig. Ein Labrador hat Fiete korrigiert, weil er zu aufdringlich zu einer anderen Hündin war.“

„Hallo Antje, hat Fiete Bisswunden? Wie war Fiete zu aufdringlich? Ja bitte, dann Fiete dem Tierarzt vorstellen, wenn nötig.“

„Habe nur Bluterguss am Hals gesehen. Zum Glück hat er viel Fell. Das Problem ist, dass er zu zur anderen Hündin zu aufdringlich war. Unkastrierter Rüde. Der Labrador ist nett, aber sehr ranghoch. Er hat nur geschlichtet.“

„Wenn Einbisse an den Hunden vorhanden sind, dann bitte dem Tierarzt vorstellen.“

„Mach ich. Dem Labrador gehts gut, nur außer Puste. Nein, er hat nichts von Fiete abbekommen.“

Fiete scheint recht verliebt in das andere Hundemädchen gewesen zu sein. Allerdings beruhigte mich die weitere Unterhaltung. Es wäre wirklich nur ein Kratzer bei Fiete zu sehen. Ja, die Hunde sind in guten Händen. Sie werden von Tiermedizinische Fachangestellten betreut, die halbtags in einer Praxis arbeitet. Auf der Pensionshomepage ist auch das Vet.-Amt als Aufsichtsbehörde angegeben. Alles soweit paletti!

Am 27.08. bekam ich ein Foto von Fiete zugeschickt, der abseits in einem Beet lag. Nichts ungewöhnliches für unseren Buben.

29.08.2022 um 16:00 Uhr trafen wir in der Hundepension ein um Motsi und Fiete wieder abzuholen.
Mir fiel sofort auf, dass an Fietes rechter Seite Fellbüschel heraus hingen. Außerdem schüttelte er ständig mit dem Kopf.
Er ließ sich nicht in die Arme nehmen, sondern blieb auf Abstand. Trotzdem roch ich den starken Eitergeruch an meinem Buben.

Um 18:00 Uhr stand Fiete auf dem Tisch meiner Tierärztin..
Meine Tierärztin schlug die Hände über den Kopf zusammen, als sie anfing das Fell um die „kleinen Kratzer“ abzurasieren.
Es kamen 9 tiefe, völlig vereiterte Einbisslöcher zum Vorschein. Von den kleineren Bisswunden sprechen wir nicht.
Das war keine Maßregelung des Labradors, sondern dieser hat mindestens 3 Mal nach gebissen.

Zwischen dem „Vorfall“ und der Vorstellung bei meiner Tierärztin lagen 4 heiße Augusttage.
Das in einer Rudelhaltung Differenzen zwischen Hunden kommen kann … damit muss man rechnen.
Was jedoch nicht passieren darf: Die Hundebisse bei 30° unversorgt zu lassen!!!
Noch einen Tag mehr und wir hätten Fliegen und Maden in den Wunden vorgefunden.

Noch am selben Abend schickte ich die Fotos an die Pensionsbetreiberin.
Sie entschuldigte sich mit:
„Oh Shitt. Das habe ich durch das Fell nicht gesehen.
Es ist noch nie so etwas vorgefallen und sie wird dies umgehend ihrer Haftpflichtversicherung melden.“

Die Haftpflichtversicherung der Hundepension übernahm diesen Schadensfall nicht, da die Pensionsbetreiberin ihrer Betreuungspflicht nach gekommen ist.

Kurz darauf bekam ich einen Anruf der Besitzerin des Labradors.
Wie kann es anders sein? Der Labrador ist ein ausgesprochener „tut-nix“ Hund und man würde sich überlegen, überhaupt den Vorfall deren Versicherung zu melden.
„Wie bitte???!!!“

Einige Tage später kam von der Labrador-Versicherung die Schadenfallnummer mit dem Vermerk: Wir prüfen den Fall.

Meine erste Tierarzt Rechnung mailte ich unter der Schadennummer umgehend der Versicherung.
Es vergingen einige Tage und ich fragte bei der Pensionsbetreiberin nach, ob sich die Versicherung bei ihr schon gemeldet hätte.
Die Antwort hat mich auch etwas verwundert:
„Wenn die Versicherung des Labradors die Rechnung nicht begleicht, dann die Rechnung an den Labrador Besitzer schicken. Ich habe damit nichts zu tun – bin da völlig raus!“

Meine Frage warum sie sich nicht einmal nach dem gesundheitlichen Verlauf bei Fiete erkundigt hat, wurde beantwortet mit:
„Ich gehe davon aus, dass es ihm gut geht. Er ist doch bei dir in guten Händen. Außerdem habe ich zu viel Stress im privaten. Ich bin Tierarzthelferin und habe Fotos meiner Chefin gezeigt. So dramatisch sehe ich das nicht. Ich habe schon heftigere Beißwunden gesehen.“

Einige Tage später meldete sich die Versicherung des Labradors.
Die Versicherung hat sich den Vorgang der Hundepension schriftlich erklären lassen.
Die Fotos und Stellungnahme meiner Tierärztin waren nicht ausreichend.

Zitat aus der schriftlichen Stellungnahme der Hundepension:
“ … ohne ersichtlichen Grund kam es zu einer Rauferei. Die Tiere wurden sofort getrennt. Nach 3 Stunden wurden sie wieder zusammengeführt. Danach kam es zu keinem Vorfall mehr.“

Die Versicherung schreibt weiter, dass nach der deutschen Rechtsordnung in solchen Fällen davon ausgegangen werden muss, dass die Verletzung zwar nur durch einen Hund verursacht wurde, sich hierhin aber auch die Tiergefahr des verletzten Hundes widerspiegelt. Dafür genügt es quasie, dass das verletzte Tier sich wie ein Tier verhält und eine Interaktion voraus gegangen ist.
Es wurden 50% der bis dahin entstanden Kosten übernommen.

Der Widerspruch meinerseits wurde umgehend gemailt. Es gibt auch Widersprüche in der Schilderung der Pensionsbetreiberin mir gegenüber und gegenüber der Versicherung. Mein Hund hat sich widerstandslos beißen lassen. Fiete hat dem Labrador kein Haar gekrümmt. (habe mehrmalig nach gefragt, wie es dem Labrador geht. „er hat nichts“)
Außerdem wurde die Abschlussrechnung der Tierärztin noch nicht mit berücksichtigt.

Die Pensionsbetreiberin meinte nur kurz:
„Bitte kläre das mit dem Besitzer des Labradors. Ich kann die Differenz nicht begleichen! Habe auch zu viel Stress!“

Es ist noch nichts komplett geklärt und einige Fragen gehen mir schon durch den Kopf.

Nein, nicht der Beißvorfall an sich. Das kann nicht nur in solchen Hundepensionen vorkommen.

Neugierig bin ich jedoch, ob mir meine Fragen anderweitig beantwortet werden.

Fiete ist soweit wieder hergestellt. Das Fell ist noch nicht nachgewachsen und es kann sein, dass die Bissstellen dunkles Fell hervorbringen. Was uns zum Glück sehr beruhigt. Fiete ist ein in sich ruhender Chow und hat trotz dieser negativen Erfahrung keine Probleme bei Hundebegegnungen.

6 Kommentare

  • Oh mein Gott, dein armes Bärchen! Leider kann man offensichtlich auch bei Hundepensionen die von „Fachpersonal“ geführt werden, nicht wirklich hinter die Fassade schauen. Es ist schon ein starkes Stück, dass sie als Tierarzthelferin solche Wunden nicht bemerkt hat, da muss man schon echt blind sein. Und die Reaktion auf die Verletzungen ist echt mal unter aller Sau. Da kann man nur hoffen, dass man von der Tierarzthelferin nicht auf die Praxis schließen kann. Dein Burschi tut mir so leid und ihr auch. Knuddel dein Bärchen mal von mir.
    LG
    Andrea & Koda

  • doris

    um himmels willen – ich wünsche dir die kraft und die finanzen, um dieses unrecht dorthin zu belasten, wo es entstanden ist. ich würde da bis zuletzt kämpfen. das kanns doch wohl nicht sein, diese betreiberin hätte bei mir eine erste seite in der regionalzeitung mit bildern. die bekommt keinen fuß mehr ohne zu stolpern auf die erde 🙁

  • Wanda

    Der arme „Bub“!
    Das Verhalten der Versicherung ist „normal“. Die zahlen grundsätzlich nur 50% und bei Widerspruch nochmal etwa 25 %, den Rest muss man sich vom Hundehalter privatrechtlich, also via Anwalt und evtl. Gericht holen. Das habe ich bei meinem Gismo erlebt, also dieser schwer von einem anderem Hund, hieß zufällig auch der tut Nix, gebissen wurde und drei Tage später in der Tierklinik verstarb.
    Das Verhalten der Hundepension ist allerdings „unter aller S..“
    Ich hoffe, dass es Fieté weiterhin besser und besser geht.

  • Ammann Renate

    Auf solche Episoden kann man gut und gerne verzichten. Wahrlich einen «dicken Hund» finde ich das Verhalten der Leiterin der Hundepension. Sie hätte doch sehen sollen, dass das mehr als nur eine Schramme am Ohr ist. Ich wünsche Fiete, dass er diesen bösen Zwischenfall ohne jegliche Folgen betr. Heilung und Verhalten hinter sich lässt und Dir einen langen Atem bei den Verhandlungen.

  • oh je, dass ist ja schrecklich. und was für mich selbstverständlich wäre, dass dann die Tierpension wenn so etwas passiert die Kosten trägt oder der Hundebesitzer des Hundes der gebissen hat. Hoffentlich geht es Fiete wieder besser/ gut.

  • Sabrina

    Liebe Ulrike,
    nachdem ich einen Kommentar zu den Elchhunden geschrieben, aber klugerweise nicht abgeschickt habe, lasse ich mich nun hier zuerst aus. Ich bin nämlich ehrlich entsetzt.
    Fakt ist, der Mensch macht Fehler. Fakt ist auch, mit einer Verantwortung für Tiere sollten sich die Fehler im Rahmen halten und nicht an die Gesundheit des Tieres gehen, niemals!
    In Deiner Beschreibung der Situation ist öfter zu lesen ‚habe ich nicht gesehen‘, bzw. ’sehe ich nichts‘. Dazu kann ich nur sagen; Natürlich sieht man da nix, da ist Fell und da ist Bewegung, man muss halt gezielt nachschauen und fühlen!! Ja, das ist eine Mehrarbeit, die man aber auf sich nehmen sollte wenn man für die Fürsorge der Tiere bezahlt wird.
    Weil es die Mitleser hier nicht wissen; 6 Jahre lang bin ich Hunde-Nanny gewesen, nicht als Pension, sondern als Gast im Privathaushalt. Heißt; ich habe das Gästezimmer oder die Couch der Menschen bewohnt die in den Urlaub wollten und ihren Hund/ihre Hunde nicht mitnehmen konnten. Sei er zu alt gewesen um ihn kurzfristig ‚umzusiedeln‘ oder sollte einfach das Haus in der Ferienzeit bewohnt sein als Einbruchprävention.
    In diesen 6 Jahren ist es mir auch mal passiert dass, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, sich ‚mein‘ Hund mal mit einem anderen duelliert hat. Selten, kam aber vor. Dann muss man sich die Tiere pflücken und genauestens absuchen, mit den Fingern, mit den Augen, mit Fell weg schieben und zur Not mithilfe einer Schere (bei Langhaarhunden und Pudeln kann das vonnöten sein). Niemals aber schaut man grob von außen und lässt es so weil ‚da ist ja nix, hat ja genug Fell‘. Man behandelt ein Gast-Tier gefälligst (!) als wäre es das eigene und handelt entsprechend sorgfältig.
    Die TFA als Pensionsbetreiberin hat hier ihre Sorgfaltspflicht nicht erfüllt und ebenso unverantwortlich gehandelt. Der private und berufliche Stressfaktor spielt hier keine Rolle, das darf weder das Problem des Kunden sein und noch weniger zum Problem des Tieres werden.
    An ein kleines Wunder grenzt es das Fiete keinerlei Nachwirkungen bzgl anderer Hunde zu haben scheint, dem Himmel sei Dank dafür das er so eine coole Socke ist!
    Ich drücke alle Daumen das es auch so bleibt.
    Liebe Grüße,
    Sabrina

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