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Chow - Alana


 

Alana


Ein Chaos-Puschel auf den Weg in die Normalität

Von Ulrike Wagner

Wenn man das so sagen will, war Alana eigentlich nicht als Not-Chow geplant. Rotraut Ueding wurde eine alte ausrangierte Chow-Hündin in Belgien gemeldet, die von den Chows in Not übernommen werden sollte. Das Mädchen saß in der Todeszelle und es musste wieder schnell reagiert werden. Ein paar Tage später sollte das alte Mädchen auf die Pflegestelle nach Deutschland gebracht werden. Sicherheitshalber nahm Rotraut morgens noch Kontakt zur Leitung des Tierasyls in Belgien auf. Lapidar wurde Rotraut mitgeteilt, dass diese Hündin nicht mehr da ist, aber es wäre noch eine junge Hündin da. Eine junge rote Chow-Hündin, eine ganz nette, super liebe Hundefrau, die an der Leine geht und sich auch gut anfassen lässt, die auf den Namen Alana hört. Kurze Zeit später traf Alana bei meiner Freundin Uli und ihrem Boxerrüden „Otto“ ein. Uli hat sich spontan dazu bereit erklärt, einen Pflegeplatz für diese junge Hündin bereit zu stellen. Alana zog am 05. Mai bei Uli auf die Pflegestelle.

"Guten Morgäähn allerseits!
Wir hatten eine etwas unruhige Nacht - da war ja aber mit zu rechnen. Jetzt haben wir Trampelpfade in den Wohnzimmerfliesen. Man, man, so ein verstörtes Hundekind. Aber: Sie hat "alles erledigt". Draußen! Scharrt nach dem Pieseln wie ein großer Junge, dass einem die Potten nur so um die Ohren fliegen. Otto hebt das Bein - Alana wackelt hin und pinkelt drüber. Haus ist total fremd für sie. Teppich *grusel*, Treppe *paaanik*, Fernseher *ohmeingott*. Staubsaugen werd ich wohl die nächste Zeit nicht. Aber es siegt immer die Neugier - was will man mehr?“

„Moinmoin! Ein kurzer Lagebericht vom Puschel.
Sie rennt immer noch viel ihre Strecken ab (Terrassentür-Wohnzimmertisch 2 Runden - Arbeitszimmer-Küche - Flur - Arbeitszimmer - Neustart Wohnzimmerrunde) und bekommt starke Unruhe. Aber heute Nacht war es deutlich ruhiger. Schlaf wird ja immer überbewertet, aber ab und zu einige Stunden am Stück finde ich persönlich seeehr angenehm! Es gibt aber positive Entwicklungen: Sie entdeckt ihre Stimme! Nein, kein Kläffen - sie knuttert wie ein Meerschweinchen und piepst manchmal, wenn sie etwas entdeckt, was sie interessiert Tempotaschentücher z.B.! Ich hab Heuschnupfen...da hat sie viel, was sie zerfleddern kann! Hatte heute Morgen Konfetti neben meiner Matratze! Wozu teures Spielzeug für Hunde kaufen, wenn eine olle Papprolle oder ein Papiertuch so viel Spaß machen können? Wenn sie beim Gassigang einen Haufen macht, lässt sie ihn auch liegen. Zuhause muss man aufpassen, dass sie sich nicht umdreht und das Corpus delicti frisst. Da sie aber eh angeleint bleiben muss in unserem Garten, ist das nicht so schwer. Das beste sind aber ihre Spielaufforderungen. Wenn sie mit allen 4 Pfoten gleichzeitig hoch hüpft und dabei vor sich hin brabbelt. ... Etwas Sorgen mache ich mir, weil sie versucht, sich das Geschirr zu zerbeißen. Sie schnappt sich  auch sofort die Leine, wenn man eine andere Richtung gehen will als sie, und versucht, sie zu zerbeißen. Ein freiheitsliebender Hund“.

"Moinmoin!
Habe grade das Gespräch beim Tierarzt hinter mir.
Zu Alana habe ich nur geschildert, wo sie her ist, wie sie sich verhält - und was der Blasenentzündung Stick "sagte. Mein Tierarzt zog sofort die Stirn in Falten und befürchtete...abgestorbene Welpen oder eine Pyo. ;o(( Er rät auf jeden Fall zum Röntgen und nicht dazu, "versuchsweise" ein Antibiotikum zu geben. Die folgen, Stress (Hecheln, Saufen, Pinkeln) mit einer eitrigen Gebärmutter zu verwechseln sind für seinen Geschmack zu groß. Leider habe ich in diesem speziellen Fall vergessen, nach Inhalationsnarkose zu fragen. Er macht normal nur Injektionsnarkosen - aber eine spezielle Mischung und ihm ist noch nie ein Tier "weggeblieben". Ein Tierarzt kommt zu uns ins Haus, sediert Alana so, dass sie den Transport und die Untersuchung nicht mit bekommt. Besser wäre, 6-8 Wochen zu warten, weil das alles dann nicht nötig wäre - aber seiner Meinung nach ist das Risiko zu groß bei den Symptomen. Er meint, die Leukozythen, die man im Urin findet, kämen oft aus der Gebärmutter und grade Tiere, die sich unsicher in der Umgebung fühlen, gestatten sich keine Krankheitsanzeichen, damit sie nicht angreifbar sind. Daher hält er es durchaus für möglich, dass sie rum springt und spielt - aber dennoch richtig krank ist. Das häufige Pinkeln - grade solcher Mini-Mengen - kann daran liegen, dass die gefüllte Gebärmutter die Blase runter / zusammen drückt. Was tun sprach Zeus??“

"Huhu!!
Sie hat ne dolle Blasenentzündung - aber die Gebärmutter ist sauber. Der Tierarzt vermutet auch, dass sie max.1 Welpen hatte. Eine Zitze sieht so aus. Muss aber nicht. Jetzt bekommt sie Tabletten für 2 Wochen, da die Blasenwand schon scheußlich aussieht. (haben noch Ultraschall gemacht) Zähne fehlen ihr einige und die vorderen sind sehr abgekaut. Ohren saßen voll Zecken - da kam kein Dreck mehr rein. Zecken haben wir alle entfernt und die Ohren etwas frei geschnitten. Das Futter kriegt sie der Blasengeschichte angepasst, damit der Urin angesäuert wird. Darin hab ich ja Übung. Hoffentlich ist sie den Mist bald los.“

„Guten Morgen!
Wie dumm können Menschen sein? Wenn jemand die Schrammen auf ihrer Seele sehen könnte, wäre das verzubbelte Fell ein Witz. Sie hat heute Morgen das erste Mal gaaanz zaghaft mit der Rute gewedelt - und sofort nen Schrecken bekommen, weil sie wahrscheinlich das Gefühl auf dem Rücke gar nicht zuordnen konnte. Rute rauf und runter macht sie ja mehrmals täglich. Aber auch da geht es öfter bergauf, als bergab. Wenn sie jetzt ihre Verschlusstechnik ;-) in den Griff bekommt, kann man sich nicht mehr wünschen, aber sie ist immer noch ein kleines Auslaufmodell. Mein Wollschweinchen!“

„Morgen!
Beim Puschel geht es weiter auf und ab. Mal macht sie einen großen Schritt nach vorne - dann wird sie wieder zurück geworfen. Aber meist kommt sie schnell wieder aus ihrem Tief. Gestern Abend durfte ich sie wieder durchkraulen. Als ob man einen Schalter um legt. Dabei ist es ihr immer noch lieber, wenn Otto vor ihr steht und ich quasi um ihn rum greife. Angucken kann man sie dabei aber inzwischen. Sie hält dem Blick auch Stand, ohne dass man das Gefühl hat, es wäre ihr unangenehm. (Wunderschöne Augen hat sie! ) Sie kann auch inzwischen Knochen und Trockenpansen knabbern und liebt ihre Scheibe Käse, die sie sich morgens beim Frühstück in Mini-Stückchen bei uns abholen darf. Neiiiin - wir bringen ihr nicht das Betteln und Lungern bei!

Blöd ist momentan nur, dass die Blase noch nicht in Ordnung ist. Vorhin hatte sie mal in die Küche gepieselt und ich konnte schnell einen Stick rein halten. Da sind immer noch Leucos drin - weniger...deutlich weniger...aber immer noch positiv. Seit Freitag schlafe ich auch nicht mehr auf dem Boden im Wohnzimmer, sondern oben. Da hat sie sich gut dran gewöhnt. Merkwürdig ist, dass wir immer das Gefühl haben, sie hat Schwierigkeiten, uns zu erkennen. Selbst dann, wenn man sie an der Hand schnüffeln lässt oder sie anspricht - sie guckt total verstört, bellt wie von Sinnen und legt die Ohren an. Die letzten Jahre haben tiefe Narben hinterlassen, wie es scheint.“

„Hallo!
Ich vermute - nee, ich hoffe! - die Pieselei vom Puschel hat ganz andere Ursachen! Sie stand vorhin so schön vor mir und guckte aus dem Fenster und ich war ganz erschrocken, weil zwischen ihren Hinterbeinen 2 "Bommeln" hingen! ZITZEN!! So groß wie mein halber kleiner Finger. Wenn ich die Röntgenbilder nicht selber gesehen hätte und sicher wäre, dass sie leer ist, würde ich jetzt in der Werkstatt hocken und nen Kreißsaal basteln. Sie ist anscheinend scheinträchtig. Beim Tierarzt haben sie gelacht und gemeint, sie würde ja auch in einem eheähnlichen Verhältnis leben und meinen, sie hätte einen zuverlässigen Ernährer gefunden. ;o) Deswegen fing sie auch an, sich alles mögliche an Socken, Decken etc zu suchen und zu schreddern. Und verliert Placken an Fell - selbst dann, wenn ich nicht kämme. Vielleicht gibt sich die Undichtigkeit danach. Wäre ja schön.“

„Moinmoin!
Unser kleiner Panik-Puschel beruhigt sich langsam. Sie hat nicht mehr so oft Pannen und inzwischen kann man fast immer an ihr vorbei gehen, ohne dass sie die Flucht ergreift. Ganz selten ist auch ordentlich "Rippen-Schrubben" erlaubt. Das genießt sie eindeutig. Leider "vergisst" sie das Gefühl schnell wieder oder die Angst ist noch zu groß. Wer weiß...“

„Hallo,
Alana musste mit den Antibiotika in die Verlängerung gehen, weil die Blase nicht besser wurde. Am Samstag hat sie die letzte Tablette bekommen. Das ging auch recht einfach - alle Finger sind dran geblieben. Dienstag schien sie tiefen entspannt und Mittwoch dachte ich, ich wird verrückt! Wenn ich die Haufen im Arbeitszimmer beseitigt habe, hat sie die Zeit genutzt und in´s Wohnzimmer gepieselt. Ich geh ja noch alle 2-3 stunden raus mit ihr aber sie hat es gestern bestimmt an die 10x geschafft in irgend welche Ecken zu krabbeln und sich dort zu lösen. Heute Nacht wurde es dann extrem, weil sie wieder so ängstlich wie am Anfang wurde. Ich hab sie um 1Uhr gelüftet (wie immer) und konnte sie nicht wieder rein bekommen. Als ich sie im Haus hatte, ging der Kampf los, dass sie nicht mit nach oben wollte. Sie kann aber nicht alleine unten bleiben, weil sie dann nur rennt wie bescheuert und immer wieder hin pinkelt. Gegen halb 3 hab ich´s aufgegeben und bin in´s Bett - biss sie dann unten anfing zu bellen wie von Sinnen. Da war es ca 3. *stöhn* Ich hab sie dann mit einer ausgebreiteten Wolldecke rauf in´s Schlafzimmer getrieben und schnell die Türen zu gemacht. Um kurz nach 4 steh ich ja wieder auf.“

„Hallo!
Alana ist nach dem Ballspielen im Garten gestern Abend alleine mit mir nach oben gegangen und schnurstracks in´s Schlafzimmer getapert. Otto hockte noch bei meinem Mann - Männerrunde. Und....sie hat das erste Mal durchgeschlafen ! Von gegen halb 11 bis kurz nach 4!! Wir sind alle wie neu! Beim Anziehen heute Morgen hat der Puschel dann neben mir gehockt, gewedelt, sich mal mit nem spitzen Finger unter´m Kinn kraulen lassen. Immer freundlich guckend. Naja, das ist jetzt nicht so ungewöhnlich - böse geguckt hat sie nie! Das hat mich ja immer so gewundert, dass sie dem Blickkontakt immer standgehalten hat. Auch anschließendes durchschrubbel - kein Problem! Rute blieb oben und hat sogar mal beim Kraulen gewackelt - immer mit Blickkontakt.“

„Hallo,
Alana hat Katrations- OP-Termin. Ich hab mich überwunden...Schweren Herzens, weil ich bei ihrer Scheu befürchte, dass sie danach ganz zusammen bricht. Aber wat mut - dat mut. Der Zeitpunkt ist richtig - mittig zwischen 2 Läufigkeiten und den Rest müssen wir dann mit Geduld wieder grade biegen. Wenn die arme Maus dort in fremder Umgebung aufwacht, dreht sie durch. Dann werden wir erst mal wieder in´s Wohnzimmer auf den Fußboden ziehen, damit sie über die Terrasse schnell und ohne stolpern raus kann. Wenn sie "schläft" finde ich, dass es gut wäre, wenn der Tierarzt ihr in den Hals gucken würde - vor der OP. Sie ist so doll Heiser, dass mich schon andere Leute drauf angesprochen haben. Wenn da....was ist, muss man gucken. Sie ist so doll hektisch und rennt beim kleinsten Stress immer wie aufgezogen um die Tische und hechelt, als wenn sie wer weiß wie weit gerannt wäre. Sobald sie sich aufregt, bekommt sie auch unkontrollierbaren Durchfall - wo sie grade steht. Meistens im Wohnzimmer. :-  Oder im Arbeitszimmer... Sie kann sich manche Sachen einfach nicht merken. Eigentlich sollten manche Handgriffe , wie anleinen, Geschirr grade rücken, bürsten...wieder erkannt werden. Sie gerät wirklich noch immer außer Fassung. Ich achte penibel darauf, dass wir ganz strikte Routine haben und alles nach Schema F abläuft - sie erkennt nichts wieder. Außer, was sehr praktisch ist, meinen Lockpfiff. Seit gut 5 Wochen schlafen wir oben. Sie hat jeden Abend Stress und es bedarf Tricks, sie mitzunehmen. Unten bleiben kann sie nicht, dann bekommt sie Angst - fühlt sich einsam? - und bellt non-stop. Und macht dann auch überall hin. Kann das sein, dass ein Hirn, das so viel zu wenig gefördert wurde, so verkümmert, dass man einfache Sachen nicht mehr erlernt? Bei Kindern sagt man ja, dass sich keine Nerven-Vernetzungen bilden , wenn in den ersten 3 Lebensjahren zu wenig Ansprache stattfindet. Vermutlich ist es bei Hunden ähnlich. Zum Glück strahlt sie einen immer richtig an - aus sicherer Ferne. Leider. So ein Wattebausch und mag nicht bekuschelt werden. Heute Morgen, als ich mich anziehen wollte, hat sie mich ganz andächtig abgeschnüffelt (ich bin extrem kitzelig!!) Vom Hacken bis ..so weit die Nase reichte. So süß. Aber das Verhalten ist so anders, dass ich mir laufend den Kopf zerbreche. Grade Lernschwierigkeiten, Unruhe, Durchfall etc sind so typische Anzeichen für eine Fehlfunktion der Schilddrüse. Wenn ich ihr nur helfen könnte... … … … !!! “




Uli hat mehr als geholfen. Sie und ihr Boxerrüde Otto, haben dem kleinen zierlichen, total verstörten Chow-Mädchen gezeigt, dass es ein Leben für einen Hund gibt.

Im August wurde Alana „umgetopft“. Sie zog von der Pflegestelle nicht weit weg, ins neue zu Hause, wo sie die alleinige Prinzessin sein wird und ihr Leben in vollen Zügen genießen darf. Vielen Dank an Familie Carls, die sich sehr liebevoll um den Chaos-Puschel Alana/Lisa kümmert. Mein größter Dank gehört meiner Freundin Uli, die großartiges zu Stande gebracht hat und danke, dass ich Auszüge aus deinen Mails veröffentlichen darf.